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09 March 2006 @ 02:53 pm
Da steh ich nun, ich armer Tor...  
... und bin recht deprimiert, wie nie zuvor.

Ich hab grade das Buch "Gustav Gründgens - Der Künstler und die Macht" zuende gelesen. Und es deprimiert mich.
Da ist der Mann sein ganzes Leben lang eigentlich auf der Suche nach sich selbst. Aber grade da, wo er sich am meisten sucht, in den großen Klassikern, versteckt er sich gleichzeitig als Regisseur und Intendant und verliert sich selbst dabei.
Und die eine klassische Rolle, mit der er sich nicht wirklich identifiziert ist seine eigentliche Biographie.
Als Mephisto, den er als gefallenen Engel versteht, ist er irgendwie am meisten er selbst. Er ist als Mephisto auch Faust, will zurück zu seiner alten Rolle und am Ende wird ihm brutal klar gemacht, dass er das nie wieder sein kann. Er ist jede Facette von Mephisto und kann ihn so zu der übermenschlichen aber gleichzeitig menschlichen Rolle machen, die heute das (unerreichte) Ziel aller Faust-Inszenierungen ist (sein sollte/muss).
Und so war es schließlich auch nach 30 Jahren strengster Selbstdisziplin - in denen er nur für 9 Monate im KZ er selbst war, als er nämlich nur Schauspieler war, die einzige Zeit in der er nicht unter heftigen Migräneanfällen litt - und konnte danach nicht mehr ausbrechen. Als er endlich seinen Job als Intendant aufgab konnte er nicht mehr einfach nur leben.
Und wie Mephisto wird ihm klar gemacht, dass er nie wieder in sein verlorenes Paradies zurück kann, nie wieder der werden, der er mal war.

Er ist der Geist, er stets sich selbst verneint.

Und ich frage mich, wie Gründgens Klaus Manns "Mephisto" wirklich aufgenommen hat. Ich kann mir vorstellen, dass ihn das verunsichert hat.
Klaus und Gustaf ist eh so eine Geschichte für sich. Klaus hing anscheinend sein Leben lang an Gründgens, eine gewissen Hassliebe. Und Gründgens?

Gott, wie deprimierend!
 
 
depressed
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Falco - Dance Mephisto