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30 March 2006 @ 10:04 pm
Ich mutiere...  
aka: Mir grauts vor mir!
Ich hab mir grad drei-viermal die Gründgens-Doku reingezogen, das wichtigste rausgeschrieben und gerade eben festgestellt, dass ich mehr und mehr den Stil, in dem er seine Schriften verfasste, adaptiere. Es ist keine absichtliche Anpassung, es ist ein unterbewusster Vorgang, denn ich gerade eben erst beginne mir bewusst zu machen.
Aber ist es wirklich ernst oder kokettiere ich nur unbewusst damit? Anpassungsfähigkeit an Sprache war von je her eine meiner Stärken. Was soviel bedeutet wie, ich weiß es nicht.
Kurzum, wäre ich mir meines einigermaßen stabilen geistigen Zustandes nicht so sicher, würde ich behaupten, ich wäre schon längst wahnsinnig geworden. Aber ist es nicht Teil des Wahnsinns, dass man sich seiner nie bewusst ist? War es Woyczeck bewusst, dass er wahnsinnig wurde? Ebensowenig wie es einer Fliege bewusst ist, dass sie immer und immer wieder gegen die selbe Glasscheibe fliegt. Es wäre ihr vielleicht der Hauch einer Ahnung beschieden, wenn sie nur das Hirn hätte zu merken, dass sie schon längst Kopfschmerzen hat.


Autonomie.
Autonomie einer gewissen Sache in einem gewissen Rahmen ist ein geeigneter Weg, sich der Realisierung der Umstände nicht zu stellen.
Autonomie bedeutet Unabhängigkeit. Autonomie in einem gewissen Rahmen bedeutet abhängige Unabhängigkeit.
Abhängige Unabhängigkeit ist nicht real, passt aber widerrum unter diesem Gesichtspunkt perfekt in die realitätsfremde Realität, die widernatürliche Natürlichkeit des Theaters. Das Theater ist kein Teil einer Welt, es ist sich und es schafft sich selbst eine Welt.
Dennoch ist die Unabhängigkeit, die Autonomie der Kunst im Theater eine trügerische Sicherheit. Wie es so will ist das Theater, das Paradoxon, das Oxymoron und die Antithese dieser Welt, eben doch ein logischer Teil, ein Punkt in einer kausalen Reihe und kann sich im Äußeren nicht von der Welt, in der es doch ist, nicht trennen. Nun kann auch das Theater das Äußere vom Inneren nicht vollkommen trennen, ist kein isoliertes System, wie es sich so manch einer sicher wünschte.
Autonomie der Kunst im Theater ist also nur eine schöne Illusion. Sie könnte nur dann exestieren, wenn das Theater nur in sich selbst existieren würde, sein eigenes Inneres UND Äußeres. Das ist es in gewisser Weise, aber in gewisser Weise nun eben auch wieder nicht. Ist These und Antithese in einem, die Dialektik der modernen Zeit.
Also zu glauben, im Theater auf einer Insel, isoliert vom äußeren Rahmen zu sein, ist eine ebenso dreiste wie geschickte Lüge.
Theater im Dritten Reich - und hiermit kommen wir auf den eigentlichen Punkt - war kein Platz der völligen Autonomie, kein absolut unpolitischer, kein unbeeinflusster Ort. Theater beeinflusst und wird beeinflusst.
 
 
complacent
complacent
Marilyn Manson - Sweet Dreams (are made of this
 
 
( Have you seen my meds? )
I'm Jack Sparrow's jar of dirt. [Don't touch me!]: Beckett_optimistninnui on March 30th, 2006 08:15 pm (UTC)
Ich denke, solange man sich fragt, ob man wahnsinnig wird, ist es noch nicht soweit ^^"" *knuddel* Ich werd dich davor bewahren, verrückt zu werden.
the oncoming whirlwind: bon jovi: novocainescap3goat on March 30th, 2006 09:10 pm (UTC)
Je mehr ich darüber nachdenke, komme ich immer zu der Überzeugung, dass es schlimmeres gibt, geben kann und geben muss.